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Gedichte
Gedichte

Durch ihre Bewegung auf einer interaktiven Textstrecke beeinflussen die Passanten die Wiedergabe eines deutschen Gedichtes von Heiner Müller (Glückloser Engel 2) bzw. eines polnischen von Wisława Szymborska (Bahnhof) und werden damit Teil ihrer musikalischen und räumlichen Inszenierung. Beide Sprachen (und Bewegungsmuster) mischen sich mit elektronischen Klängen zu einem gemeinsamen Klangraum, einem intimen Raum zwischen Verstehen und Nicht-Verstehen.


Heiner Müller

Glückloser Engel 2

Zwischen Stadt und Stadt
Nach der Mauer der Abgrund
Wind an den Schultern die fremde
Hand am einsamen Fleisch
Der Engel ich höre ihn noch
Aber er hat kein Gesicht mehr als
Deines das ich nicht kenne

1991

Heiner Müller: Glückloser Engel 2 (1991), in: Die Gedichte. Werke 1, herausgegeben von Frank Hörnigk, Suhrkamp, 1998

Wisława Szymborska

Bahnhof

Meine Nichtankunft in der Stadt N.
Erfolgte pünktlich.

Du bist benachrichtigt worden
durch den nicht abgesandten Brief.

Du schafftest es, in der vorgesehenen Zeit
nicht zu kommen.

Der Zug kam am Bahnsteig drei an.
Viele Reisende stiegen aus.

In der Menge strebte zum Ausgang
das Fehlen meiner Person.

Einige Frauen vertraten mich
eilig
in dieser Eile.

Zu einer lief
jemand, der mir fremd war,
doch sie erkannte ihn
sofort.

Sie tauschten beide
nicht unseren Kuß
dabei ging nicht mein
Koffer verloren.

Der Bahnhof der Stadt N.
bestand das Examen
in objektivem Dasein.

Alles war an seinem Platz.
Die Details trieben
auf vorgezeichneten Bahnen.

Sogar das Treffen
fand wie verabredet statt.
Jenseits der Reichweite
unsres Dabeiseins.

Im verlorenen Paradies
der Höchstwahrscheinlichkeit.

Woanders
Woanders.
Wie diese Wörtchen klingeln.

Wislawa Szymborska: Bahnhof, in: Hundert Freuden. Gedichte, herausgegeben und übertragen von Karl Dedecius, Suhrkamp, 1996.